Dieses Jahr wollten wir unser Fliegerlager, dem fünften in Eschenlohe bei Garmisch-Partenkirchen, einmal anders als in den Jahren zuvor gestalten. Es sollten auch unsere Flugschüler, die im Alter von 15 bis 25 Jahren sind, in den Genuss des Fliegens in den Bergen kommen.
Da in Eschenlohe auch Flugbetrieb mit Startwinde herrscht, hofften wir natürlich, dass unser Nachwuchs auch Erfahrung mit dieser Startart sammeln kann. So machten wir uns am 9. August 2008 mit drei Segelflugzeugen in Transportanhängern auf den ca. 280 km langen Weg über München nach Eschenlohe.
Bei schönem Wetter ist dort am Wochenende immer viel los, so dass die geplanten Windenschlepps mit unseren Flugschülern für den Flugbetrieb am ersten Tag nicht optimal gewesen wären. Also führten wir, wie aus unseren Weidener Verhältnissen gewohnt, Flugzeugschlepp durch, was zum Kennenlernen des fremden Platzes und dessen Umgebung aber genau das Richtige war. Mit guten Höhen nach dem Ausklinken sorgte dies für einen sicheren Einstieg in die Thermik.
Auch Piloten, die einen Flugplatz in den Bergen das erste Mal nutzen, lassen sich von den ansässigen Fluglehrern in die Besonderheiten dieses Platzes einweisen. Dazu gehört neben dem Einprägen der Orts- und Bergnamen auch das Vertrautmachen mit örtlichen Windverhältnissen, Wetterbesonderheiten und Gefahren, die an jedem Flugplatz anders sein können. Namen wie Ohlstätter Hang, Mittagsspitze oder Krottenkopf hören wir hier ständig und helfen uns, die Positionsmeldungen der anderen Piloten einzuordnen.
In der folgenden Woche klappte es endlich mit den Windenstarts. Zusammen mit den Flugschülern aus Eschenlohe und unseren Flugschülern bildete sich bald ein fröhliches Grüppchen aus fünf Mädchen und vier Jungs, die den Großteil des Flugbetriebs gestalteten. Schnell wurde da auch einigen ein Spitzname verpasst. Die "nervöse Lissi" erhielt ihren Namen, als sie bei ihrem Erstflug im Einsitzer 10 Minuten vor der Landung per Funk eine freie Landebahn forderte. Die "coole Regina" nahm dagegen das ihr fremde Terrain ganz gelassen und hatte während ihres Alleinflugs beim Anflug auf Eschenlohe offensichtlich Zeit genug, per Funk mitzuteilen, dass sie gerade den "Eger mit Anhänger" auf der Autobahn sieht, anstatt sich auf die bevorstehende Landung zu konzentrieren. Sicherlich kostete das dem am Boden mit Funkgerät ausgestatten Fluglehrer ein paar graue Haare.
Neben dem praktischen Teil wurde auch das theoretische Wissen rund um das Fliegen in den Bergen vermittelt. Als Schulungsraum stand uns ein mit allen Schikanen ausgerüsteter Besprechungsraum im Hotel unseres Fliegerkameraden Klaus zur Verfügung. Der Workshop bildete die Grundlage dafür, dass die Flüge nun auch über die Flugplatzumgebung hinaus gehen konnten.
Von großem Interesse für alle Piloten ist ein Flug zur Zugspitz (2962m). Allerdings muss hierbei auch das Wetter mitspielen, so wie vor zwei Jahren, als wir es schafften, über die Zugspitz zu fliegen. Leider war sie diesmal jeden Tag in Wolken und so führten die meisten Flüge über den Plansee nach Reutte (Österreich) und wieder zurück.
Natürlich hatten wir auch nach dem Flugbetrieb noch viel Spaß zusammen. Da wurde am Flugplatz gegrillt, oder die Eschenloher Flugschüler entführten uns zum "Mexikaner" nach Garmisch. Aufregung gab es beim Besuch der Pizzeria in Murnau, wo uns die freundliche Polizei aus einem Halteverbot in der Ortsdurchfahrt dirigierte, die wir mit unserem Autokonvoi blockierten.
Bei jedem Fliegerlager gibt es auch Tage, an denen das Wetter Segelfliegen einfach nicht zulässt. So einen Tag nutzten wir, um mit der Gondel von Oberammergau auf den "Laaber" zu fahren. Von dort aus machten wir eine Rundwanderung um das "Ettaler Mandl". Es hätte ein entspannter Tag werden können, wenn nicht plötzlich nachmittags um drei die Wolkendecke aufgerissen wäre. Die Gondel konnte uns nicht schnell genug ins Tal bringen, damit wir alle in unsere Flugzeuge kamen. In der Zwischenzeit organisierten wir noch einen Schlepppiloten aus Garmisch und so konnten wir bei ruhigem Wetter einen herrlichen Flugtag aus dem angebrochenen Tag machen, den die Fluglehrer dazu nutzten, einige unserer Flugschüler erstmals mit dem einsitzigen Kunststoff-Segelflugzeug LS-4 fliegen zu lassen.
An einem anderen verregneten Tag planten wir einen Ausflug zum "Erlebniskraftwerk Walchensee". Gegen Mittag kam jedoch ein Anruf aus Eschenlohe: "Eure Anhänger saufen ab!". Knietief im Wasser fanden wir sie kurz darauf am Flugplatz vor und mit vereinten Kräften zogen wir barfuß mit hochgekrempelten Hosen unsere Anhänger aus dem Wasser auf höher gelegenes Terrain. Das ging gerade nochmal gut!
Acht erlebnisreiche Tage, die die Kameradschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkten, sind nun hinter uns. Neben dem Spaß am Fliegen konnten vor allem unsere Flugschüler viele neue Eindrücke gewinnen. Aber auch alle anderen sind sich einig, dass so ein Fliegerlager für nächstes Jahr auf jeden Fall wieder geplant wird!
Hans Merkl und Susanne Bonitz
|