Segelfliegen - ist das nicht viel zu gefährlich? Und Piloten? Müssen
dies nicht abenteuerlustige Draufgänger sein, die keine Gefahr fürchten?
Auch heute noch existiert der Nimbus des wagemutigen Fliegers. Völlig zu
unrecht übrigens. Vielleicht haben früher einmal für die „tollkühnen
Männer in den fliegenden Kisten" diese Charaktereigenschaften eine
zweifelhafte Rolle gespielt. Heute gilt das nicht mehr.
Fliegen ist kein geeignetes Feld für Selbstbestätigung und Angabe.
Ganz andere Motive sind es, welche den Flieger - speziell den Segelflieger - für
seinen Sport begeistern.
Da ist die Freude an der Bewegung im dreidimensionalen Raum, wie
sie etwa ein Taucher unter Wasser erlebt. Da ist die Begegnung und
die Erfahrung von Natur- und Wettervorgängen, denen er noch unmittelbar
ausgesetzt ist.
Da ist das Einfühlen, das gewissenhafte Beobachten und das überlegte
Entscheidungen-Treffen — all das macht das Segelfliegen aus.
Um einen Eindruck vom Segelflug zu bekommen, nimmt man sich
am besten einen ganzen Tag Zeit und besucht einen Flugplatz, wo
Segelflugsport betrieben wird, z. B. in Weiden-Latsch, wo auch die
Möglichkeit zu einem Probeflug besteht.
Ist es dann so weit, daß man einsteigen darf, so steht ein Erlebnis
bevor, das man so bald nicht vergessen wird.
Wenn das Schleppseil eingeklinkt ist und der Tragflügel waagerecht
gehalten wird, folgt bald die sanfte Beschleunigung und schon hebt
das Flugzeug hinter der Motormaschine ab, kurz darauf auch diese. Mit 2
bis 3 m/sec steigt der Schleppzug in den Himmel. Der Flugplatz, die
Menschen, die Bäume, die Häuser, alles wird kleiner. Wir steigen auf
in eine andere Welt, eine Welt der Winde und Wolken. Wir erleben
kein Schwindelgefühl wie vielleicht auf einem hohen Turm, die Kabine um
uns verleiht Sicherheit, und die Anschnallgurte geben uns festen Halt.
Und dann nach dem Ausklinken, wenn wir die erste Kurve fliegen,
wenn wir uns mit dem Flugzeug mit in die Kurve legen wie ein
Motorrad- oder Radfahrer, dann entsteht das Gefühl einer sicheren
Bewegung im Raum, schöner und freier, als es ein Verkehrsmittel
am Boden je vermitteln kann.
Wir genießen das nahezu lautlose, nur von einem leichten Zischen
begleitete Schweben hoch über der Erde. Allmählich finden wir uns
auch zurecht, erkennen verschiedene Wohngebiete und verfolgen
die Straßen mit unserem Blick.
Nach einer Zeit des Gleitens und Kurvens setzt der Pilot wieder zur
Landung an. Er spricht kurz mit der Flugleitung über Funk, gibt seine
Position an und schon senkt sich die Flugzeugnase hinunter zur
Schwelle der Landebahn. Die Störklappen fahren aus, begleitet von
einem leichten Ruck, unser Gleitwinkel wird steiler und schon berührt
das Flugzeug weich den Boden und rollt rumpelnd aus.
Erst beim Verlassen des Flugzeugs begreift man so richtig, welch
andere Sicht, welch neue Perspektiven der Flug über der Erde vermittelt
hat, die Zeitdauer spielt dabei kaum eine Rolle.
Wäre das nicht auch etwas für Sie?
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